Bündnis der „Hamelner Erklärung“ führt Experten zum Schutzgut Boden in Fachkonferenz in Fulda am 21.6.2016 zusammen

FK-FD_20160621a.jpgDer Auftakt der angekündigten Vortragsreihe fand am 21.6.16 zu dem Thema „Bodenschutz an HGÜ-Erdkabeltrassen“ in Fulda statt. Hierzu waren neben den potentiell von dem Ausbau betroffenen Landkreisen auch Bauern- und Landschaftsverbände sowie Bürgerinitiativen eingeladen, sich über das Thema  zu informieren. 

In kurzen, aber prägnanten Vorträgen (zum Download aller Vorträge und des Tagungsberichts) diskutierten Spezialisten unterschiedlicher fachlicher Ausrichtung mit einem vorwiegend fachlich motiviertem Publikum. Mit ca. 100 Gästen war die Veranstaltung trotz ihres fachlichen Zuschnitts überraschend gut besucht.

Die Veranstaltung wurde vom Sprecher der Landkreise des Hamelner Bündnisses, Landrat Tjark Bartels moderiert.

Herr Rechtsanwalt Dr. Peter Durinke gab einen fachlichen Überblick über die Planugnsmaßstäbe aus rechtlicher Sicht nach dem neuen NABEG und weiteren Umweltgesetzen. Er führte zu den Auswirkungen des neue NABEG aus, dass viele Aspekte in der Planung neu sein. So sei die Verankerung der Gradlinigkeit im Gesetz ein Novum – mit dem Vorteil eines engeren Planungsraumes ginge aber auch das Gebot einher, in besonderer Weise darauf zu achten, dass die Gradlinigkeit nicht andere wichtige Planungsziele dominiere.

Ebenfalls auf großes Interesse stieß der Praxisbericht von Herrn Dipl.-Ing. Sascha Eigelt, der als Projektleiter der Firma Vorwerk KG detaillierten Einblick in die Realisierung von erdverlegten Gasleitungen gab. Auch er gab zahlreiche Anhaltspunkte, wie mit passender Planung und gutem fachlichem Vorgehen das Schutzgut Boden sowohl im der Bauphase geschont werden und in der späteren Rekultivierungsphase wieder die gleiche Qualität wie vor dem Eingriff erreicht werden kann. Neben diesen „best pratice“ Beispielen zeigte er aber auch Beispiele und Ergebnisse schlechter Planung – und Hinweise zur Vermeidung.

Dr. Karl Severin von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen vertrat die Nutzer der Flächen – vor allem Landwirte. Bei grundsätzlichem Verständnis für die Notwendigkeit der Trassierung führte er an, dass das komplizierte Ökosystem Boden hohe Aufmerksamkeit verdiene und die in der Bau- und Rekultivierungsphase entstehenden Verluste adäquat entschädigt werden müssten.

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Mit Prof. Dr. Ingo Sass vom Geothermischen Institut der TU Darmstadt war auch ein Geothermiker anwesend, der ein differenziertes Bild über die verschiedenen Bodentypen und deren Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit darlegte. Zwar sei nach seiner bisherigen Forschung nicht mit einer Erwärmung der Erdkrume zu rechnen, die thermische Leitfähigkeit des Bodens sei aber für den Wirkungsgrad des Erdkabels von hohem Belang und müsse daher Berücksichtigung finden.

Die Erwartungen an den Übertragungsnetzbetreiber in Bezug auf die Methodik und Anwendung des Positionspapiers wurden durch Dr. Sven Serong von der Bundesnetzagentur dargestellt.

Der Übertragungsnetzbetreiber TenneT konnte mit dem Gesamtprojektleiter Dr. Christoph Thiel erste Antworten auf das weitere Planverfahren geben und verwies darauf, dass TenneT zunächst bis zum Herbst den Untersuchungsraum mit einer völlig neuen Methodik festlegt, um daraus einen neuen Antrag nach § 6 NABEG zu entwickeln. Dieser Antrag würde dann auch neue Vorschläge für Trassen enthalten und sei im Frühjahr 2017 zu erwarten.

Apl. Prof. Dr. Karsten Runge gab einen prägnanten Überblick über die Maßnahmen, die in den jeweiligen Phasen zum Schutz des Bodens ergriffen werden müssen.

Die Veranstaltung endete mit einer offenen Podiumsdiskussion.

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